![]() Donald Mitchell Healey (1898-1988), aus Gründen der sprachlichen Ökonomie gern zu DMH gekürzelt, war ein Urgestein der englischen Motorindustrie. Ungemein willensstark, hatte er bereits als RAF-Pilot diverse Crashs überlebt einschließlich eines Abschusses durch die eigene Flugabwehr, heute in charmanter Beschönigung "friendly fire" genannt. Bald umrankte ihn die Legende vom "Healey luck", als habe er mit der Göttin Fortuna einen Pakt zu günstigen Konditionen geschlossen. Er mochte das nicht. Seine Errungenschaften, pflegte er zu sagen, seien die Früchte harter und konsequenter Arbeit.
DMH hatte sich dem besonderen Automobil verschrieben, dem Verfassen von Poesie auf dem Nährboden der Prosa farbloser Massenfertigung. Der Rennsport hatte es ihm angetan. Als Krönung einer ausschweifenden Tätigkeit als Renn- und Rallyefahrer konnte er immerhin einen Sieg bei der Rallye Monte Carlo 1931 in einem 4-Liter-Invicta vorweisen. 1946 gründete er in Warwick mit einem Startkapital von 50 000 Pfund Sterling die Donald Healey Motor Co. Ltd., auf die er sich stets bescheiden als "mein kleiner Betrieb" bezog.
Im gleichen Jahr entstand sein erster Sportwagen, unter der Haube einen getunten Riley-Vierzylinder von 2443 cm³ und 100 PS. Sein konventionelles Chassis bestand aus zwei Kastenträgern mit Quertraversen, mit schraubengefederter Einzelradaufhängung vorn und einer hinteren Starrachse. Aufgrund der miserablen Nachkriegsmaterialien war er von schwächlicher Konstitution, was ihm den durchaus liebevoll gemeinten Spitznamen "The Horror" eintrug, wurde allerdings in unermüdlicher Tätigkeit serienreif gepflegt.
Auf der Basis des "Horror" fußte der 2 2-sitzige Westland-Roadster, so genannt, weil ihn mit Peter Shelton ein Mitarbeiter der Karosseriefabrik Westland eingekleidet hatte, mit einigem aerodynamischem Feinschliff im Windkanal des Flugzeug-Konzerns Armstrong-Whitworth. Sein leichter Aufbau bestand aus einem Hartholzrahmen, beplankt mit Blechen aus einer Legierung von Aluminium und Magnesium. Das galt ebenso für das geschlossene Gegenstück Elliott Saloon, bei dem es sich seinem Namen zum Trotz um ein formschönes Coupé handelte. Mit ihm, brüstete sich die Healey-Werbung, biete man den schnellsten Serienwagen der Welt an, und DMH stellte dies eigenhändig unter Beweis mit 178 km/h auf der belgischen Autobahn zwischen Jabbeke und Aeltre – trotz einer dubiosen Pool-Treibstoffbrühe.
1949 stellte sich als Krönung des bisherigen Schaffens der Typ Silverstone ein, gezeichnet von Healey-Kostgänger Len Hodges mit starkem Input vom Chef persönlich, Auflage bis 1951: 105 Exemplare. Sein Name war Progamm, und seine Zwienatur als Angebot für Straße und Piste stand ihm ins Gesicht geschrieben. Das bewährte Riley-Triebwerk war um 203 mm nach hinten umgesiedelt worden, was die Voraussetzungen für eine fast ideale Balance schuf. An den schlanken Rumpf des Healey Silverstone lagerten sich vier Motorradkotflügel an. Hinter den vertikalen Gitterstäben des Kühllufteinlasses waren unmittelbar benachbart die beiden Scheinwerfer eingesperrt. Und am Heck trat wie die Frikadelle zwischen den Brötchenhälften das waagerecht gelagerte Reserverad zutage. Die Windschutzscheibe ließ sich zum Teil unter die Oberkante der Motorhaube absenken.
Mit den prestigeträchtigen 100 Meilen pro Stunde tat er sich dennoch schwer, was aber unzähligen Sporterfolgen zumeist in den Vereinigten Staaten keinen Abbruch tat. Dort entstanden bis 1954 in einem Joint Venture 506 Einheiten des Nash-Healey, einer Kreuzung zwischen dem Fahrwerk des Silverstone und den Sechszylindern des amerikanischen Herstellers, gekrönt von einem schmucken Aufbau von Pinin Farina.
![]()
|
|||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||||