Guará heißt der letzte Serien-Sportwagen von Alejandro De Tomaso. Der Maestro ist tot, doch zuvor fügte er klangvollen Namen wie Pantera oder Mangusta noch den Guarà hinzu.
Das Brenneisen mit den argentinischen Landesfarben im Fond – kein Qualitätssiegel für Steaks aus der Pampa, sondern Firmenemblem des Sportwagenbauers Alejandro De Tomaso – hat sich seit 1959 in die Automobil-Annalen eingebrannt. Es zeugt von der Blütezeit des in Modena wirkenden Südamerikaners , der sogar Maserati gekauft hatte, ebenso wie von schlechteren Tagen. Um die Serien-Produktion des Guarà zu verwirklichen, musste er Maserati 1993 wieder abstoßen und fand mit dem Fiat-Konzern auch einen potenten Käufer. Dennoch fristet der Guarà nach der Rampenlicht-Premiere in jenem Jahr eher eine Existenz im Verborgenen. Vielbeachtet, aber für den Alltagsgebrauch nur beschränkt tauglich: die Barchetta des Guará, von der nur ein Dutzend gebaut wurde. Absolute Rarität: ein Spider in nur fünf Exemplaren. Diese kompromisslos offenen Fahrzeuge verfügen weder über eine ordentliche Windschutzscheibe noch ein wirklich schützendes Verdeck. Absolute Schönwetter-Sportwagen, die unter azurblauem Himmel auch heute noch ihre Reize offenbaren!
Bis 1998 offerierte De Tomaso wahlweise einen BMW V8 oder eine Ford-Visteon-Triebwerk, wobei dieses primär für den US-Markt gedacht war. Danach erhielt die amerikanische Kraftquelle den alleinigen Zuschlag. Sie ist leicht, preiswert und produziert 320 PS. Zu einer angekündigten Kompressor-Version mit 430 PS kam es freilich nie. Honeycomb-Chassis mit Gitterrohrrahmen, Karosserie aus Composite-Materialien wie Carbon und Kevlar sowie innenliegende Feder-Dämpfer-Einheiten dokumentieren De Tomasos Verbundenheit zum Motorsport. Diese hatte allerdings 1970 einen ziemlichen Dämpfer bekommen, als Piers Courage beim GP von Holland im De Tomaso von Frank Williams tödlich verunglückte.
Der nur 1050 Kilo schweren Barchetta gelingt es, unter fünf Sekunden auf 100 km/h zu sprinten, während es das 350 Kilo schwerere Coupé auf glatt fünf Sekunden bringt. Ganz ordentlich für die 90er-Jahre, wenngleich die Endgeschwindigkeit mit 277 km/h nicht berauscht. Bei der offenen flachen Flunder rauscht bei diesem Tempo nur noch der Fahrtwind – und zwar ziemlich stark – um die Ohren. Geschaltet wird manuell, wobei der die Elastizität des 4,6-Liter-Ford-Motors Schaltfaulen entgegen kommt. Auch nach Alejandros Ableben im Mai 2003 ging der Bau des Guarà weiter, auf Bestellung, ergo in bescheidenen Stückzahlen.