Es gibt Radikalen-Erlässe und einen „Radical-Erlass“, so kann man die Einzelzulassung eines reinrassigen Rennfahrzeuges ohne Türen, Verdeck und nur bis zur Nasenspitze reichender Windschutzscheibe für den deutschen Straßenverkehr bezeichnen. Helm auf zum Fahrspaß auf möglichst verwinkelten Landstraßen in Richtung Nürburgring mit anschließenden Runden auf der Nordschleife! Es mutet schon eigenartig an, diesem „Flachmann“, der das Tragen von Startnummern gewöhnt ist, mit einem Nummernschild an einer Innenstadtampel zu begegnen. Natürlich wurzelt der eigentliche Verwendungszweck des Radical SR3 im Motorsport, und so deutet bei dieser konkurrenzfähigen Konstruktion von Mike Pilbeam aber auch nichts auf „Abwegiges“ für den Straßengebrauch hin, bis auf ein hessisches Nummernschild, beschafft von Radical Deutschland, Wiesbaden.
Das kreischende Geräusch des quer eingebauten 1,3-Liter Suzuki-Hayabusa-Motors, von Powertech auf 205PS – in der Rennversion auf 250 PS – getrimmt, steigert sich bei der Höchstdrehzahl von 10.500/min in einen akustischen Bereich, der ohnehin nur mit Helmschutz zu ertragen ist, ganz abgesehen von dem Schnorchelgesang der Lufthutze und dem Prasseln des Fahrtwindes. Dieses Motorrad-Triebwerk will bei Laune gehalten werden und reagiert unwillig auf Drehzahlen im unteren Bereich. Und der reicht fast bis 5000 Touren. Beim SR8, hausintern liebevoll „Christine“ genannt, darf in der Drehzahl-Orgie noch mehr gefrönt werden. Zwei zu einem V8 verblockte Hayabusas mit satten 360 PS motzen, wenn man unter 6000 Touren bleibt. Dass dieser Rakete ein Ampel-Sprint außerhalb der Rennpiste versagt bleibt, leuchtet ein. Denn bereits „Christines“ kleinster Bruder, der mit 205 PS also, lässt sich in vier Sekunden auf 100 km/h beschleunigen. Dabei kann man das sequenzielle 6-Ganggetriebe, ebenfalls von der Hayabusa, ohne Kupplungs-Fußarbeit hochschalten. Einfach „reindreschen“, diese etwas brutale Methode funktioniert beim Runterschalten mit Zwischengas freilich nicht.
Gitterrohrrahmen, Überrollkäfig, ultraleichte Außenhaut, aerodynamisches Flügelwerk, kurzer Radstand, niedriger Schwerpunkt, nur 525 Kilo Leergewicht, ein klassisches Rennfahrwerk und Leichtmetallräder mit Zentralverschluss: Der SR3 mag ja straßentauglich sein, doch für die Rennstrecke ist er prädestiniert, und dort fühlte er sich erst richtig in seinem Element. Exakt reagiert er auf die kleinste Lenkradbewegung und erlaubt unglaubliche hohe Kurvengeschwindigkeiten. Während sich die Nackenmuskulatur auf Querbeschleunigungen bis zu zwei „g“ einstellen darf, spürt der Hintern, wenn das Heck ohne plötzliches Ausbrechen nach außen drängt.
Autobahnraserei macht mit diesem offenen, 232 km/h schnellen Gerät wenig Sinn: Man will sich ja nicht von irgendwelchen Kombis verblasen lassen. Doch wenn kurvenreiche Passagen kommen, fühlen sich gegen den Radical sogar Super-Sportwagen „angstbeklommen“. Und damit wären wir beim Preis dieses „Roadracers“: Er ist erstaunlich niedrig angesiedelt und liegt unter 60.000 Euro.