Schräg von vorn betrachtet, wirkt Lee Nobles jüngste Kreation noch einigermaßen harmonisch, obwohl die abgeschrägten hinteren Lufteinlässe, immerhin parallel zu den Türen, die Fahrzeugflanke regelrecht durchschneiden. Doch die Perspektive schräg von hinten offenbart Kanten, Winkel und Rundungen, die sich gegenseitig stören. Der recht klobig aufgesetzte Diffusor bildet einen krassen Gegensatz zu dem fein geschwungenen Heckspoiler, der sich zwischen den zwei Rückleuchten-Trios wie ein Bogen spannt. Die Wölbung der hinteren Kotflügel erinnert im Ansatz an den Daimler SP 250 von 1959. Dadurch hängt das Heck wie ein Rucksack an der, im Türbereich noch sehr eleganten, Gürtellinie, die wiederum auf die Dachkontur abgestimmt ist. Design-Diskrepanzen bestimmen auch das Interieur. Sind die Schalensitze über jeden Zweifel erhaben, wirkt die Ablageschale vor dem Schalthebel ziemlich billig – wie das vierspeichige Lenkrad, das eher in einen Ford Mondeo älteren Jahrgangs passt. In der Preiskategorie eines Porsche 911 sollte sich ein Noble nobler geben.
Im Gegensatz zum M14 ist der 3-Liter-V6-Motor mit zwei Turboladern nicht quer eingebaut. An die um weitere 50 PS erstarkte Kraftquelle ist ein neues 6-Gang-Schaltgetriebe angeflanscht, dessen kurzen Übersetzungen auf bessere Beschleunigung abzielen. So verfehlt die Höchstgeschwindigkeit zwar knapp die 300 km/h-Marke, doch unten heraus tut sich einiges mehr als beim M14, denn bis 100 km/h sprintet der M15 in nur 3,5 Sekunden (M14: 4,3 s). Auch bis Tempo 160 hat der M15 die Nase vorn und nimmt dem M14 locker 1,5 Sekunden ab. Trotz weitgehenden Verzichts auf Elektronik im Fahrwerksbereich gibt sich dieser Noble als gelungene Symbiose von Komfort-Abstimmung und sportlichem Setup.
Das Spaceframe-Chassis mit integriertem Überrollkäfig ist laut Werksangabe 57 Prozent steifer als die auf dem M12 basierenden Wagen. Dennoch konnte das Gewicht auf 1200 Kilo begrenzt werden. In dem recht konservativen Mittelmotor-Sportwagen hat die Moderne Einzug gehalten, denn ein serienmäßiges Satelliten-Navigationssystem weist den Weg. „Schließlich tritt der M15 in einer anderen Liga an als die M12-Baureihe“, betont Lee Noble. Und damit er in dieser auch reisetauglich ist, fand Noble Platz für zwei Kofferräumchen mit insgesamt 300 Litern Fassungsvermögen. „ Auch wenn der M15 konzeptionell an den M14 angelehnt ist, handelt es sich hierbei um eine völlig neue Konfiguration“, erklärt Noble-PR-Mann Simon Hucknall. Und diese zielt eindeutig darauf ab, den für 2007 mit Spannung erwarteten Lotus Esprit im Vorfeld etwas Terrain abzugraben.