Als „Herr der Ringe“ gebärdet sich der kleine Audi RS 4 mit dem bulligen V8-FSI-Triebwerk unter der Aluminiumhaube. Rote Ventildeckel wie bei einem Testa Rossa, Carbon-Ummantelungen mit den RS-Initialen: Im Motorraum präsentiert sich ein sportliches Ambiente. Hier pulsieren 420 drehfreudige PS ohne Turbolader oder Kompressor, und schnattern freudig erregt die 32 Ventile, wenn bei 5500 Touren das maximale Drehmoment von 430 Newtonmetern erreicht wird, und dann noch munter bis zur „Schallgrenze“ von 8250/min weiter gedreht werden darf. Obwohl der RS 4 mit 1725 Kilo kein Leichtgewicht ist ( der M3 begnügt sich mit 1510 Kilo ), beschleunigt er wie sein bayerischer Konkurrent in knapp fünf Sekunden auf 100 km/h, und bei der 200km/h-Marke liegt er sogar knapp vor ihm. Leider fehlt diesem Sportwagen im Limousinen-Gewande der Freibrief zur Umgehung der elektronischen Geschwindigkeitsbegrenzung.
Die wuchtigen Kotflügelverbreiterungen sind zur Aufnahme von 19-Zoll-Rädern mit Pirelli P Zero Corsa ( 255/35 ZR 19 ) ausgelegt – gegen Aufpreis, versteht sich. Passende Stoßfänger mit Spoiler-Ecken vorn und angedeutetem, vergittertem Diffusor hinten, flankiert von ovalen Endrohren aus Edelstahl, sowie die ausgeprägte Abrisskante des Kofferraumdeckels dokumentieren die Sportlichkeit des RS 4 rein äußerlich. Analog gibt sich das Innenleben: unten abgeflachtes Lederlenkrad, Sportsitze, die bei rasanten Querbeschleunigungen in der Stufe „S“ elektrisch mit noch mehr Seitenhalt reagieren, und ein kurzer satt in der Hand liegender Schaltknauf für das manuell zu betätigende 6-Gang-Getriebe.
Dieser Audi-Spross ist natürlich ein Quattro, wenngleich mit verschobener Kraftverteilung. Ein Torsendifferenzial verteilt 60 Prozent der Leistung auf die Hinterräder und belässt nur 40 Prozent auf den Vorderachsen. So ist bei ausgeschaltetem ESP sogar der Anflug eines Driftes mit dem Heck möglich. Generell neigt der RS 4 jedoch zum Untersteuern, da rund 60 Prozent seines Gesamtgewichtes auf den Vorderrädern lasten. Enge Kurvenpassagen gehören nicht zu seinen ausgesprochenen Stärken, doch Freude durch Kraft kommt auf, wenn sich das „Dynamic-Ride“-Fahrwerk nicht mit abrupten Lastwechseln beschäftigen muss. Gleichmäßige, größere Kurvenradien liegen dem RS 4 besonders gut. Wie die direkte Lenkung verdienen auch die wirkungsvollen Bremsen ein Lob. Mit Diametern von 365 mm vorn und 322 mm hinten sind sie auf den sportlichen Habitus dieses Viertürers bestens eingestellt. Schließlich bietet man leistungsmäßig locker einem Porsche Carrera S Paroli. Gut Ding will Euro haben: Die Preisskala beginnt bei knapp 70.000 Einheiten dieser Währung.