Über die Effizienz von Namensgebungen kann man gewiss geteilter Meinung sein, doch die wiederkehrende Verwendung des gleichen Anfangsbuchstabens prägt sich ein. Seit 1957 beginnen alle Lotus-Straßen-Sportwagen mit einem „E“, und so heißt der jüngste Spross „Europa S“, Reminiszenz an den ersten britischen Mittelmotor-Roadrunner, den Firmengründer Colin Chapman 1966 vorgestellt hatte, und der immerhin eine Auflage von 9320 Exemplaren erreichte. Viel für damalige Zeiten!
Keine Verrenkungen beim Einsteigen und genügend Kopffreiheit, viel Komfort und sogar ein Kofferraum, wenngleich mit einem beschränkten Fassungsvermögen von 160 Litern: Der neue Lotus, der wieder für volle Produktionskapazität in dem modernen Werk Hethel/Norfolk sorgen soll, spricht eine breite Kundenschicht an. Sportwagen-Purismus wird den Elise- und Exige-Modellen überlassen: Keine knüppelharte Federung also! Serienmäßige Voll-Lederausstattung, Airbags für Fahrer und Beifahrer, Teppich-Belag im Fußraum und die Möglichkeit, die Akustik des 2-Liter-Turbo-Motors von Opel mit Musik aus dem CD-Player anzureichern, das sind neue Töne im derzeitigen Lotus-Programm.
Auch die Optik des Europa wirkt gelassener als die wild zerklüfteten Luftschächte von Elise und Exige. Das Heck mit zentralem Doppelauspuff und einem Spoiler zwischen den Rückleuchten bildet eine harmonische Einheit zu der Frontperspektive. Dachverlauf und seitliche Konturen tragen zwar Lotus-typische Züge, doch fehlen jegliche Schnörkel. Das Aluminium-Chassis und eine Karosserie aus leichten Verbundstoffen tragen zu dem günstigen Leistungsgewicht von 4,9 Kilo pro PS bei. Der Europa ist ja kein Super-Sportwagen, sondern ein sportliches Fortbewegungsmittel, dessen Preis knapp unter 50.000 Euro liegt. Unter diesem Aspekt sind auch die Werte für die Beschleunigung von 0 auf 100 km/h (5,6 Sekunden) und die Höchstgeschwindigkeit (230 km/h) zu sehen. Bereits bei 2000 Touren beträgt die Kraftausbeute des Vierzylinders 90 Prozent, und mit einem durchschnittlichen Verbrauch von 8,8 Litern Super ist dieser Brite alles Andere als ein Schluckspecht. Im Juli 2006 werden die ersten Europa ausgeliefert, wobei an einen Export nach Nordamerika derzeit nicht gedacht ist. Diesen Markt soll 2007 der doppelt so teure Esprit-Nachfolger erobern.