“007”, James Bond, ist ein Begriff, aber kennen Sie schon „015“? Kein weiterer Super-Agent, sondern die Chassis-Nummer des schwarzen Spyker C8 Laviolette, in dessen lippenstiftrotem Conolly-Leder-Interieur sich Sharon Stone räkelt. Im offen liegenden Schaltgestänge rührend, düst die Dame – ihren Instinkten folgend – durch das Londoner Verkehrsgewühl. Das Product-Placement des 400-PS-Sportwagens im Streifen „Basic Instinct 2“ ist gewiss ein guter, wenngleich auch mit Kosten verbundener Marketing-Gag der kleinen holländischen Marke. Das zweisitzige Coupé wird wie der Spyder von dem 4,2-Liter-Audi V8 angetrieben, Das Glasdach vom Laviolette und der C8-Wettbewerbsversion Double 12 ist eine Hommage an die Vergangenheit, als Spyker für den 1. Weltkrieg Jagdflugzeuge produzierte: Man soll sich wie in einer Flugzeugkanzel fühlen. Kleiner „Schönheitsfehler“: In jener Zeit flogen die Piloten noch oben offen.
Zusätzlich zu den auffälligen Luft-Einlässen in den Flanken führt beim Coupé auch eine Dachhutze in Richtung Mittelmotor. Die Eigenwilligkeit der Konturen dieses Supersportwagens stört aber keinesfalls die aerodynamischen Erfordernisse. Der mit Kühlschlitzen geradezu übersäte Spyker erhält durch den ausgeprägten Frontspoiler, die Heckabrisskante und den Diffusor genügend Anpressdruck auf die serienmäßigen ATS-Räder. 19-Zoll-Magnesium-Räder mit propellerartigen Speichen werden gegen Aufpreis montiert. Das verstellbare Fahrwerk mit Eibach-Federn und Koni-Dämpfern kommt ohne elektronischen Schnickschnack aus. Und auch die Bremsen (Sechs-Kolben-Alu-Monobloc-Sättel vorn, Vier-Kolben-Sättel hinten) überzeugen.
Mit dem 400-PS-Sauger erreicht das Coupé die 100km/h-Marke in 4,5 Sekunden und 300 km/h Spitzengeschwindigkeit. Derart motorisiert, müssen ab Werk für den Laviolette 240.000 Euro hingeblättert werden. Im Renntrimm (mit vorgeschriebenem Restriktor auf 480 PS) nennt sich das Coupé Double 12R. Ohne diese „PS-Bremse“ sind 620 PS und damit 345 km/h möglich. Ein Double 12S („S“ für Straßenversion) mit derartiger Potenz kann auf Wunsch geliefert werden, es ist nur eine Frage des Preises. Nur eine Frage der Zeit ist die generelle Umrüstung der Spyker auf W12-Motoren.Die Verspieltheit des Cockpits mit den Rauten-Steppnähten im Leder und viel blankem Edelmetall erinnert ein wenig an den Pagani Zonda. Das Lenkrad – natürlich mit vier Propeller-Speichen – könnte ein Phantasie-Produkt von Jules Verne sein, und das bereits erwähnte frei liegende Schaltgestänge, das sich in die Mittelkonsole bohrt, erheben den Anspruch auf Einmaligkeit.