![]() Am Anfang stand ein Rennmotor entsprechend der von Indianapolis übernommenen Grand-Prix-Formel, ein Sechszylinder mit drei Litern Hubraum. Entworfen hatte ihn Alfa-Romeo-Konstrukteur Giuseppe Merosi.
Doch dann machte die Motorsport-Legislative AIACR (für Association Internationale des Automobile Clubs Reconnus) der SA Italiana Ing. Nicola Romeo & Cia, Milano, einen fetten Strich durch die Rechnung und grenzte das Volumen der Premiumklasse für die vier Jahre ab 1922 auf zwei Liter ein. Das im Mailänder Stadtteil Portello ansässige Unternehmen mochte gleichwohl auf Merosis schönes Stoßstangen-Triebwerk nicht verzichten und erschloss es in besänftigter Form der Serie. Der Tipo RL wurde am 13. Oktober 1921 in der Alfa-Ausstellung in der Mailänder Via Dante offiziell eingeführt.
Er trug den Ruhm der noch jungen Firma in alle Welt, als RLN (für Normale) mit 3440 mm Radstand, 2916 cm3, einem Vergaser, 56 PS und 109 km/h Spitze, als RLS (für Sport) mit einem Radstand von 3140 mm, 2996 cm3, zwei Vergasern, 71 PS, Trockensumpfschmierung und einer Höchstgeschwindigkeit von 120 km/h. Den N erkannte eine rasch wachsende Schar von Jüngern am glatten, den S am gespitzten Kühler mit dem Marken-Emblem an beiden Schrägen.
Gemeinsam waren ihnen das mit der Maschine verblockte Vierganggetriebe sowie der zentrale Gangwechsel rechts. Die frühen Modelle ließen sich nur an den Hinterrädern verzögern, die späteren von der dritten Serie ab September 1923 auch vorn. Da hatten sich die Alfa-Werbetexter, nicht zuletzt beflügelt durch die zahlreichen Sporterfolge der scharfen RL-Variante Targa Florio unter den "drei Musketieren" Antonio Ascari, Giuseppe Campari und Ugo Sivocci sowie einem gewissen Enzo Ferrari in seiner Sturm-und-Drang-Phase, bereits sozusagen zu einer stehenden Ovation für sich selbst erhoben und feierten die S-Klasse als "feinste Sportwagen der Welt, ... unübertrefflich und unübertroffen".
Noch mehr Anlass zu Euphorie lieferte die sechste Serie ab 1925. Die bürgerliche Version wurde mit einem leicht verlängerten Fahrgestell, dem größeren Triebwerk und fünf Mehr-PS aufgewertet, die sportive bot mit 83 Pferdestärken ebenso viele auf wie ein zeitgenössischer Bentley.
Soviel Fortschritt war den Mailändern neue Namen wert: Der RLN mutierte zum RLT, für Turismo, der RLS zum SS, für Super Sport. Dessen Kurbelgehäuse bestand aus Aluminium. Für den Zugewinn an Stärke war unter anderem eine steilere Nockenwelle verantwortlich. Zwischen den Pedalen für Bremse und Kupplung befand sich ein weiteres zwecks Aktivierung der Vergaser von Solex oder Zenith. Zur Choreographie des Starts zählte, durch Pumpen Druck im 72-Liter-Tank des Modells aufzubauen, bevor bei laufendem Motor eine von der Nockenwelle angetriebene Pumpe die Treibstoffzufuhr besorgte.
Die Rezeption des Typs war glänzend: Die Maschine sei einfach phantastisch, frohlockte etwa SS-Kunde Benito Mussolini voll vaterländischer Begeisterung. Während bei identischen Chassis zahlreiche Aufbauten für bunte Vielfalt sorgten, blieben die Stückzahlen für das Modell überschaubar: 2631 RL insgesamt, davon 1315 RLN, 387 RLT, 537 RLS und 392 RLSS.
Als Enzo Ferrari 1923 mit dem TF ein Rundstreckenrennen in Savio gewann, waren die Eltern des im Einsatz verblichenen italienischen Kampffliegers Francesco Baracca so angetan, dass sie ihm dessen Emblem vermachten – ein tänzelndes Pferdchen.
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