Kantige Konturen, ohne eckig zu wirken, spitze Winkel, geschickt in Parallelogramme gesetzt: Die neue Design-Sprache des sieben Jahre in Lamborghinis Diensten stehenden Belgiers Luc Donckerwolke, der jetzt für Seat zeichnet, hat in Sant´Agata Bolognese Akzente gesetzt. Auch der Gallardo Spyder, der auf der Frankfurter IAA 2005 Premiere feierte und den Autofrühling 2006 eröffnet, ist eine typische Donckerwolke-Kreation. „Es ist nicht einfach eine offene Version des Coupés, sondern ein vollständig neues Modell mit attraktivem Design und einem einzigartigen System zum Öffnen und Schließen des Stoffdaches, das im zusammengefalteten Zustand im Motorraum verschwindet“, so der Werks-Tenor. Schließlich habe das Centro Stile von Lamborghini und die Techniker in enger Abstimmung daraufhin gearbeitet, diese klare und puristische Formensprache auf die Straße zu bringen.
Langer Radstand und kurze Überhänge wie bei der geschlos-senen Version vermitteln Dynamik, unterstrichen durch seitliche Lufteinlässe, die an ein Kampfflugzeug erinnern. Dieser „Tiefflieger“, dessen große, stark geneigte Frontscheibe von der verstärkten A-Säule in die Aluminium-Karosserie eingebunden wird, attackiert die mittelmotorige Konkurrenz, vornehmlich im eigenen Lande. In jeweils zwanzig Sekunden öffnet und schließt sich das Open-Air-Vergnügen mit dem Spyder. Das elektro-hydraulisch betätigte Verdeck, anfänglich nur in Schwarz ausgelegt, folgt dem Trend so mancher Cabrios und ist jetzt auch in Blau, Grau und Beige erhältlich.
Verwindungssteifheit und Sicherheitsstrukturen wie ein seitlich verstärkter „Space-Frame“ und integrierte Überrollbügel belasten den Spyder gegenüber dem Coupé um zusätzliche 140 Kilo. In der Höchstgeschwindigkeit (314 km/h mit geschlossenem Verdeck) fehlt gegenüber dem Gallardo MY06, bestückt mit dem gleichen V10-Triebwerk, nur die Winzigkeit von einem Stundenkilometer. Verschmerzbar wie ein Teller Spaghetti Bolognese, bei dem ein Gramm Parmesan-Käse fehlt! Der 5-Liter-Motor mit 520 PS entspricht der Leistung des 6,2-Liter-V12 im Murciélago. Sicherlich wird sich Lamborghini überlegen, kräftemäßig noch zuzusetzen. Schließlich gilt es, Tradition zu wahren, denn bereits vor 30 Jahren gab es einen Lamborghini, der 315 Stundenkilometer aufs Parkett legte: der Countach LP500S des Austro-Kanadiers Walter Wolf.
Die Übersetzungsverhältnisse des automatisierten 6-Gang-Getriebes sorgen dafür, dass der Gallardo Spyder zu den heutigen „kings of the road“ gehört. 4,3 Sekunden von 0 auf 100 km/h und nur elf mehr bis zur Geschwindigkeits-Verdopplung: Damit bewegt man sich im Bereich des Ferrari F430 Spider.
Die Serienausstattung ist für einen Sportwagen dieses Kalibers angemessen. Ob die neuen Sonderfarben „Celeste Phoebe“(hellblauer Ton) und „Verde Picus“ (hartes Grün) auf Gegenliebe stoßen, ist ebenso fraglich wie die gegen Aufpreis angebotene Videokamera in der Heck-Abrisskante. Im Interieur darf je nach Geldanlage in Leder und Alcantara geschwelgt werden, und auf Wunsch gibt es kontrastfarbig abgesetzte Nähte der Sitzgarnituren. Edle Koffersysteme und individuell gestaltete Zusatz-Pakete stehen ebenso zur Auswahl wie die Bestückung mit Callisto-Rädern der besonderen Art. Auch ein Heckspoiler zählt zum sportlichen Gepräge, das man sich gern etwas kosten lässt. „Lambo“-Fahren ist Ausdruck von Lebensqualität auf höchster Ebene – in dieser Hinsicht unterscheidet man sich in keinster Weise von den Ferraristi.
autogericke.de/28.2.2006