Nomen est omen – oder was lange währt, wird endlich gut. Mit dem GranSport hat Maserati das Reifestadium eines Wagens mit etwas längerer Vorgeschichte erreicht. Aus dem 3200 GT, gefolgt vom 4200 mit dem von Ferrari entlehnten V8, hat sich dieser Maserati ganz schön gemausert und pubertäre Probleme abgelegt. Auch die Optik hat durch kosmetische Kunstgriffe gewonnen. Der nach unten vergrößerte Kühlergrill wirkt sportlicher und der vergrößerte Heckspoiler sowie ein Gitter-bewehrter Diffusor reihen sich ebenso in die sportlichen Attribute ein wie die etwas zu breit geratenen Seitenschweller. Tiefergelegtes Fahrwerk und 19-Zoll-Aluräder mit einem Speichen-Design, das den Dreizack aufgreift, unterscheiden den Gransport auch hinsichtlich des „Schuhwerks“ von seinem Vorgänger, der als Coupé noch mit in das Modelljahr 2006 übernommen wurde.
Das Ferrari-Herz, das in dem abtrünnigen Bruder pocht, wurde im Ansaugbereich von 390 auf 400 PS hochmassiert, was sich beim Beschleunigen nur unwesentlich bemerkbar macht und sich in der Endgeschwindigkeit mit einem Plus von fünf km/h ausdrückt. Verursachten die sequenziellen „Cambiocorsa“-Gangwechsel anfänglich noch lästige Knirsch-Geräusche für empfindliche Ohren, so ist das alternativ für den GrandSport entwickelte automatisierte Sechsganggetriebe schnell und reibungslos tätig. Die ebenfalls automatischen Zwischengas-stöße bereichern die Akustik im Bereich der vier Endrohre. Das klingt durchaus „sportivo“!
Direktere Lenkung und strafferes Fahrwerk machen aus dem 1,7-Tonner zwar keinen Kurvenkünstler, aber verhelfen ihm zu einer beachtlichen Wendigkeit, zu der die gute Gewichts-Verteilung von Haus aus beiträgt. Als Coupé und als Spyder erfüllt der GrandSport endlich und fast ohne Abstriche die große Erwartungshaltung, die in einen Wagen mit berühmten Vorfahren auf der Rennstrecke gesetzt wird. Detailarbeit auch im Interieur, sogar mit Design-Korrekturen! So wurde die Armaturenbrett-Spitznase oberhalb der „Eieruhr“ ( ein ovales Zeitmess-Instrument ) im unteren Bereich der Mittelkonsole wieder aufgegriffen. Perfekt geformt, zweifarbig mit Leder bespannt und ebenfalls mit Nasenspitze zwischen der Beinauflage dekoriert, bieten die Sitze hervorragenden Halt.
Insgesamt gesehen ist dieser viersitzige Granturismo ein typischer Italiener: individuell angehaucht, elegant und temperamentvoll. Wie auch seine offene Ausführung lädt der Gransport zum Defilieren ein. Holperigen Untergrund mag er nicht, ganz gleich, ob mit normalem Fahrwerks-Setup oder dem gegen Aufpreis erhältlichen Skyhook-Fahrwerk. Nichts für die Via Appia!