„GT – diese zwei Buchstaben stehen seit jeher für Fahr-Dynamik, Geschwindigkeit, Kraft und Design. Und wenn dieses Kürzel hinter dem Namen Wiesmann steht, dann dürfen Sie besonderes erwarten.“ Solchermaßen im Firmenprospekt ausgelobt, verbindet sich mit dem Wiesmann GT eine ähnlich hohe Erwartungshaltung wie zwölf Jahre zuvor bei der Präsentation des Roadsters. Der GT, die vierte Variante der Brüder Martin und Friedhelm Wiesmann ( daher MF4 ), überzeugt durch seine interessante Formensprache: Eine gekonnt inszenierte Mischung aus klassischen und modernen Stilelementen. Auffällig und zugleich stabilisierend ziehen sich zwei Wülste – quasi als Dach- und Hecklappen-Einfassung – durch die gesamte Coupé-Kontur nach hinten. Markanter Charakter wie bei einem richtigen „Kerl“, um es einmal banal auszudrücken! Diesen Burschen mit langer Haube dirigiert man, knapp vor der Hinterachse sitzend, ziemlich problemlos. Nur wenn man dem BMW-V8 ( 4,8-Liter-Version ) zu sehr die Sporen gibt, bäumt sich der Wagen ein wenig auf. Dieses Triebwerk mit 367 PS und einem Drehmoment von 490 Newtonmetern hält, was der kräftige Sound verheißt: Gutes Durchzugsvermögen in allen sechs Gängen. Selbst bei niedrigen Drehzahlen lässt es sich ohne Runterschalten auf Touren bringen. Da lediglich 1240 Kilo bewegt werden müssen – vier Zentner weniger als ein Porsche Carrera S, ganz zu schweigen von dem Acht-Zentner-Bonus gegenüber einem Aston Martin V8 – ist der Wiesmann GT wieselflink.
Entsprechend fällt der Sprintvergleich auf 100 km/h aus. Hier liegt der GT 0,2 Sekunden vor dem Carrera und sogar 0,8 vor dem Briten. Letzterer liefert sich bei Höchstgeschwindigkeit ein totes Rennen mit dem Westdeutschen, während der Schwabe mit 293 km/h die Nase vorn hat. Einem eingefleischten Wiesmann-GT-Besitzer dürften derartige Vergleiche vermutlich den Buckel runterrutschen. Er ist Individualist uns sieht sein Fahrzeug aus anderer Perspektive, und diese überzeugt ihn, ganz gleich aus welchem Blickwinkel.
Der breite „Hintern“ mit der relativ schmalen Basis-Bereifung ( werkseitig sind nur 225/50 x 18 angegeben ) verträgt auch 275er-„Puschen“, die gegen Aufpreis natürlich wohlfeil sind. Der Wiesmann GT darf getrost als gelungener „Wurf“ bezeichnet werden, denn die für 2006 auf 70 Einheiten bezifferte Produktion war schnell ausverkauft, sehr zur Freude der Manufaktur-Mitarbeiter, denn für die geplante Parallelfertigung von 92 Roadstern fanden sich ebenfalls Auftraggeber. Das spricht für die Marke mit dem Feuersalamander als Wappentier.
Wie beim Roadster ist das GT-Cockpit eine Augenweide: Sieben runde, zum Fahrer abgewinkelte Armaturen in der Mittelkonsole dominieren, während sich das restliche Interieur vornehm in feinstes Leder hüllt, sorgsam von Hand vernäht. Selbst für lange – aber bitte möglichst schlanke – Fahrzeuginsassen bietet der GT ausreichend Bein- und Kopffreiheit. In diesem Umfeld fühlt man sich wohl und bekommt Lust, auch einmal höhere Querbeschleunigungen zu provozieren - bis ESP und Differentialsperre eingreifen. Die Bremsen mit ABS besitzen das geeignete Kaliber, wenn einmal hart in die Eisen gestiegen werden muss.
Vom Scheitel bis zur Sohle ist der Wiesmann ein sportlicher Gentleman, das Produkt solider, ja liebevoller Handarbeit, die natürlich ihren Preis fordert, ohne das Portemonnaie des Käufers zu überfordern. In dieser Hinsicht braucht der GT keinen Vergleich mit anderen Kleinserien-Sportwagen zu fürchten.