„Wenn wir Ferrari nicht kaufen können, müssen wir sie eben schlagen,“ diese Ford-Devise vom Juni 1963 hatte ja bekanntlich drei Jahre später eine triumphale Erfüllung beim 24-Stunden-Klassiker von Le Mans gefunden. Dreifach-Sieg 1966, dann der Erfolg vom langen Dan Gurney ( deshalb die Dachausbuchtung im GT40 ) und seinem berühmten Landsmann A. J. Foyt 1967 gegen die Ferrari-Paarung Ludovico Scarfiotti/Michael Parkes im Folgejahr: Ford war im Olymp des Langstrecken-Motorsports angelangt. Und man siegte weiter mit den Gulf-GT40 von John Wyer ( P. Rodriguez/ L. Bianchi 1968 und J. Ickx/J. Oliver 1969). Danach eroberte Porsche dieses Terrain. 124 GT40, davon 31 für den “Hausgebrauch“ im Straßenverkehr, wurden insgesamt gebaut, wohlgemerkt Originale, denn Repliken gibt es in vielfältigen Ausführungen, derzeit in Südafrika gebaut – mit „Gurney-Bubble“ auf der Fahrerseite des Mk II. Diese Nachbauten, abgesegnet von Carroll Shelby, sind, so der holländische Importeur Sportauto Eshuis in Hardenberg, genauso gefragt wie die offizielle Neuauflage der Ikone durch Ford.
Insgesamt sollen zwar 4.500 GT – größtenteils von Hand – gefertigt werden, doch nur 101 haben den Weg nach Europa finden dürfen, und das bescheidene Kontingent für Ford Köln belief sich auf lediglich 19 Exemplare dieses klassisch schönen Fahrzeugs für 177.000 Euro. Da bleibt so manchem Interessenten hierzulande wohl nur das Ausfindigmachen eines grauen Importkanals oder – wie bereits vermerkt – die Replika des GT40 mit ebenfalls 550 PS in der stärksten Version mit einem 7-Liter-Ford/Roush-Triebwerk.
Der neue GT, etwas länger, breiter und höher als die damalige und bezeichnungsgebende Meßlatte von 40 Inch, entspricht äußerlich weitgehend dem Original, abgesehen von kleinen Retuschen und aerodynamischen Verbesserungen wie dem Diffusor. Zusammen mit der Heckabrisskante hat der Neue keine Auftriebs-Probleme bei „High-Speed“ ( 330 km/h ) wie noch der GT40, der es immerhin auf 343 Stundenkilometer gebracht hatte aber auch nur 1055 Kilo wog. Der GT, mit einigen neuzeitlichen Segnungen der Technik bedacht, bringt dagegen 1599 Kilo auf die Waage. Der 5,4-Liter-V8 mit Kompressor, der seine Kraft bereits im niedrigen Drehzahlbereich spüren lässt, kommt auf ein Drehmoment von 774 Newtonmetern bei 4500 Touren. In der Beschleunigung schlägt er das Original glatt: 0 bis 100 km/h in 3,9 Sekunden und deren 11,8 bis zur 200er-Marke sind Werte, gegen die der GT40 (Sprint auf Tempo 100 in 4,8 Sekunden ) wirklich alt aussieht.
Im Cockpit erinnert zumindest das Armaturenbrett mit sieben Rundinstrumenten und fünf Kippschaltern ( leider nicht aus Alu oder Edelstahl ) an das Original. Dieses setzt jeweils eins drauf. Die Sportsitze, durchlöchert wie ein Emmentaler Käse, sind dem Vorgänger nachempfunden. Freilich hätte dem Lenkrad etwas mehr Retro-Design ganz gut gestanden, und auch der Schalthebel muss ohne die klassische Kulissen-führung auskommen. So bedarf das exakte schnelle Einlegen eines Ganges, besonders beim Runterschalten, zunächst einiger Übung. Doch die macht ja den Meister, auch über dieses herrliche Gerät, das erstaunlich wendig ist und seine rennsportliche Vergangenheit nicht leugnen kann. Dass eine Klimaanlage das seitliche Schiebefenster überflüssig macht, und auf Wunsch auch ein Soundsystem installiert werden kann, sind sekundäre Punkte. Primär versetzt der gestreifte GT seinen – bestimmt glücklichen – Besitzer gedanklich zurück in eine Zeit, in der Ford und Ferrari in Le Mans mit Heerscharen gegeneinander antraten. Es lebe die Nostalgie!