Natürlich gehörte er doch zur weitläufigen DB7-Familie und ähnelte seinem zugeknöpften Pendant Vantage Zagato wie ein Frühstücksei, dem man bereits die Spitze abgeschlagen hat, einem anderen Frühstücksei, wo dies noch nicht geschah. Er fußte auf dem Fahrwerk des DB7, dem man eine nach oben hin offene Karosserie aus Stahl und Aluminium (für vordere Kotflügel, Türschwellen, Kofferraumdeckel und Stoßfänger) übergestülpt hatte, mit einem mächtigen Maul im klassischen Aston-Martin-Umriss, schwellenden Radhäusern und bauchigen Türen und einem unverwechselbaren Heck mit Leuchten von erlesener Schlichtheit. Die letzten Feinheiten hatten Zagato-Boss Andrea Zagato und Aston-Chefdesigner Henrik Fisker noch auf dem Messestand der Marke beim Pariser Salon Ende September 2002 ausgeheckt.
Hinter den Köpfen von Fahrer und Beifahrer gemahnten sich sanft nach hinten verjüngende Erhebungen an Präzedenzfälle an Rennsportwagen wie dem DBR1 aus dem gleichen noblen Hause, aber auch an den Zagato-typischen Dach-Doppelhöcker. Nach einem Verdeck suchte der Blick vergeblich. Mit edlem Bridge-of-Weir-Leder tapeziert, mit dem auch die Sitze und die Türfüllungen bezogen waren, klaffte statt dessen zusätzlicher Stauraum im Nacken der Passagiere – eine Maßnahme, die zugleich 70 kg Mindergewicht mit sich brachte.
All dies – und mehr – genügte, diesem offenherzigen Wesen eine eigene Identität zu geben, als American Roadster. Der Name nahm bereits den potentiellen Markt ins Visier: "Bei seiner Konzeption", erklärte Aston-Martin-Chef Dr. Ulrich Bez, "hatten wir das kalifornische Wetter im Sinn. Es handelt sich um einen Roadster reinsten Wassers, mit dem wir diesen Begriff gewissermaßen auf seine Urbedeutung zurückgeführt haben."
Auch der Aston Martin DB AR1 begann seine Karriere als Concept Car, vor einer ebenso wissgierigen wie gierigen Klientel bei der Los Angeles Auto Show im Januar 2003 enthüllt und dann auf einer achtwöchigen Tournee durch 25 amerikanische Städte als Botschafter seiner selbst und der Sache Aston Martin unterwegs. Seine mögliche Vermarktung ähnelte dem Szenario, das man bereits mit dem Vantage Zagato erfolgreich durchgezogen hatte: Bei mindestens 66 Vorbestellungen würde man eine Kleinserie von 99 Exemplaren auflegen. Es klappte – und wie: "Unser Problem wurde sehr rasch, dass wir der Nachfrage nicht mehr Herr wurden", erinnerte sich Ulrich Bez. Und dann, ironisch: "Ich habe gestandene Männer weinen sehen."
Die Leistung des bekannten Zwölfzylinders, vermittelt durch ein handgeschaltetes Sechsgang-Getriebe, lag mit 440 PS genau in der Mitte zwischen den Werten für den Vantage (420 PS) und dem Vanquish (460 PS). Dem Charakter des AR1 entsprechend hatte man ihn mit einem Sportauspuff akustisch aufgerüstet. Wurde er gereizt, fauchte er wie die weißen Tiger der Magier Siegfried und Roy in Las Vegas bei einem Wutanfall. An die Kandare nehmen ließ er sich durch spezielle Brembo-Bremsen mit riesigen innenbelüfteten Scheiben, vorn mit 355 mm, hinten mit 330 mm Querschnitt, und dem Pedalkraftverstärker des Vanquish.
Trotz oder gerade wegen soviel Glanz und Glorie wohnte dem Aston Martin DB AR1 etwas Paradoxes inne bis hin zur Absurdität. Denn alles war Fähigkeit und Verheißung. Es in die Praxis umzusetzen wäre von den Hütern der Ordnung und vorgesetzten Instanzen rasch und nachhaltig unterbunden worden im 60-Meilen-Land USA.
Die waren übrigens nach knapp fünf Sekunden erreicht – im ersten Gang.