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Renault Sport Spider
Debüt 1995
Technische Details
Hersteller Renault
Baureihe Sport Spider
Typ Sport Spider
Bauzeit 1995 - 1999
Baujahr 1998
Motor 4 Zylinder Reihenmotor
Hubraum 1998 cm³
Bohrung/Hub 82.7 / 93 mm
Leistung 150 PS / 110 KW
Gewicht 930 kg (leer)
Leistungsgewicht 6.2 kg / PS
0 - 100 km/h 6.9s
Vmax215 kmh


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Er sah aus wie die Mischung aus einem Beach Buggy und einem Formelrennwagen und entzog sich auch sonst den üblichen Definitionen von Barchetta, Cabrio, Roadster oder Speedster wie das Stück Seife in der Badewanne dem Zugriff der glitschigen Hand. Da trug der werksseitig gewählte Begriff Spider eher zur Verwirrung als zur Aufklärung bei.

Just so etwas wie den Spider Sport brauchte die Régie Nationale des Usines Renault, um in das graue Meer und Heer von Twingo, Laguna, Mégane und Safrane (ganz zu schweigen von namenlosen früheren Produkten der reinen Vernunft wie R4, R5, R8, R16 und R18) einen kräftigen Farbtupfer zu klecksen, erst nur in Gelb, später auch in Rot, Blau und Silber. Der Reißbrett-Täter hinter dem rasenden Reise-Bügeleisen war Renault-Designchef Patrick LeQuement. Als geeignetes Forum zur Präsentation dieses Mobils für Sport, Spiel und Spaß erkor man den Genfer Salon 1995. Entsprechend seinem Ausnahmecharakter wurde er in der Renault-Dependance für das Besondere in Dieppe produziert wie auch die Alpine-Familie, 90 Exemplare für einen eigens eingerichteten Marken-Cup auf europäischen Rundkursen sowie weitere 1636 für Frischluft-Junkies ohne Start-, dafür jedoch mit Zulassungsnummern für den öffentlichen Straßenverkehr.

Dort wirkte der automobile Minimalist vom Ärmelkanal immer wie ein Irrläufer, weckte Emotionen zwischen fassungslosem Kopfschütteln und zustimmendem Nicken, vor allem am Anfang, als nur der vorzugsweise mit einem Sturzhelm in Wagenfarbe bewehrte Kopf des Piloten und der monumentale Sturzbügel den Aufbau des Spiders überragten. Dieser bestand aus drei Teilen und wurde, wie die Türen aus Verbundwerkstoff, getragen von einer extrem verwindungsfesten Struktur aus Aluminium mit eloxierter Oberfläche wie der des Lotus Elise, allerdings mit dieser verschweißt und nicht verklebt. Wie sein Passagier, vielleicht sogar einer ebenfalls zu allem bereiten oder entschlossenen Beifahrerin, lagerte der Lenker der hurtigen Rarität in harten, aber schönen Schalensitzen mit integrierten Kopfstützen, im Blickfeld ein winziges Lenkrad, drei unverbrämte Rundinstrumente, in der Mitte des Armaturenträgers ein Digitaltachometer.

Einem grauen Windabweiser fiel laut Renault-Sprech die Funktion zu "die anströmende Außenluft wirksam zu kanalisieren und turbulenzarm über die Köpfe hinwegzulenken, feine Wasserspritzer inklusive". Vor allem beschickte er indessen die Schädel im Spider reisende Sitzriesen mit scharfem Fahrtwind, ein zusätzliches Pläsier für alle, die in einem offenen Auto gerne lustvoll leiden.

Und es ließ sich durch simplen Druck aufs Gaspedal exponentiell steigern. Mittig in ihrem Rücken war quer vor der Hinterachse in dieses exotische Umfeld zwar Biederes aus großen Serien installiert, der 150 PS starke Vierventiler aus dem Mégane Coach mit 1998 cm³, gepaart mit einem manuellen Fünfganggetriebe. Im Bunde mit 930 kg Leergewicht machte er aus dem 3795 mm kurzen, 1830 mm breiten und 1250 mm flachen Renault nämlich eine kleine Rakete, welche die 100-km/h-Marke nach 6,9 s durchflog und es erst bei 215 km/h luftig bewenden ließ. Wie der Wind eilte der Spider auch um die Ecken auf seinem einstellbaren Fahrwerk vom Feinsten, mit Doppelquerlenkern und liegenden Feder/Dämpfer-Einheiten vorn und Quer- und Längslenkern sowie Feder/Dämpfer-Einheiten hinten und Stabilisatoren und innenbelüfteten Scheibenbremsen an beiden Enden. Im Grenzbereich war gleichwohl Achtsamkeit angesagt – da keilte der Sport Spider gerne unvermittelt und blitzschnell aus.

Im übrigen teilte er das triste Schicksal des römischen Imperiums: Er verweichlichte mit den Jahren. Denn eine Mehrheit unter seiner Klientel kaufte ihn mit einer optional verfügbaren großen gerundeten Windschutzscheibe.
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