![]() Seine Rezeption durch die vaterländische Fachpresse las sich wie eine Auflistung automobiler Tugend und scheute selbst den Vergleich mit erlauchten Gliedern der Sportwagenaristokratie nicht: "Kein Fahrzeug, das ich jemals fuhr, erregte ein solches Aufsehen", staunte der Berichterstatter von Evo im Juni 2000, und: "Was seine Beschleunigung anbelangt, ist ein Porsche GT3 eine leichte Beute für ihn." In der Maiausgabe von Autocar hatte ein Kollege frohlockt: "Von 60 mph stauchten ihn die Bremsen in 2,5 s bis zum Stillstand zusammen. ... Neben dem V12 des Lamborghini Diablo und dem V8 des Ferrari 360 Modena ist sein Motor einer der aufregendsten und genussreichsten auf dem Markt. Ein britisches Auto, auf das wir stolz sein können." Bezogen war diese lustvolle Laudatio auf den Tuscan Speed Six, einen wundersam geformten Komposit-Zwitter, halb Convertible, halb Coupé, das jüngste Produkt der TVR Engineering Ltd., Blackpool, Lancastershire.
Aber gemach: Bevor diese Apotheose englischer Ingenieurskunst für den Mann in der Straße käuflich wurde, war ein weiter Weg zurückzulegen. Schon sein im August 1988 angekündigter Vorgänger sollte mit dem Zertifikat für die Teilnahme am öffentlichen Verkehr ausgestattet werden, rundlicher als frühere TVR-Generationen, mit hinter transparenten Abdeckungen zurückgezogenen Scheinwerfern und einem stumpfen Heck im Sinne des kleinsten Abreißquerschnitts. Eingebettet in einen trotzigen Gitterrohrrahmen nach Art des Hauses, grollte der allgegenwärtige Rover-V8 mit 400 PS, mit einem Fünfganggetriebe von Borg Warner als ebenbürtigem Partner. Die fetten Räder hingen an breit gespreizten Querlenkern und Schraubenfedern über Gasdruckdämpfern.
Aber dann blieb dem Modell ein raues Dasein auf den Pisten beschieden. Im Rahmen des Tuscan Challenge ab 1989 driftete er über die Curbs von Brands Hatch, Oulton und Mallory Park oder Snetterton, am Lenkrad harte und entschlossene Männer wie den gewichtigen Gerry Marshall, der stets freimütig bekannte, er sei auf dieser Welt nur wegen des Biers. "Wir sind", beichtete etwa Tuscan-Pilot Peter Dron im Bleifuß-Organ Fast Lane, "ebenso bescheuert wie die Leute von TVR und sollten eigentlich in Gummizellen eingesperrt werden. Man bedenke: 400 PS für 800 kg!" Nur ein paar findige Hardcore-Freaks schlüpften irgendwie durch die Maschen des Gesetzes und erwarben für ihren Tuscan eine Straßenzulassung.
Dies wurde anders mit dem Speed Six, auf der Show von Birmingham 1996 vorgestellt als "Convertible für zwei Leute und ihr Gepäck für einen Monat Urlaub". Bereits 1600 Kunden, so hieß es, hätten eine Anzahlung geleistet, als er 2000 verfügbar wurde. Das Six stand für seinen Reihensechszylinder, von TVR selbst gefertigt mit 24 Ventilen, Trockensumpf, 3996 cm³ und 360 PS, die es mit lediglich 1100 kg aufnehmen mussten. Als im Frühjahr 2002 eine leicht geschrumpfte Version von 3605 cm³ und 355 PS hinzukam, stellte die voluminösere bereits mit 396 PS den Respektabstand wieder her. Die Linie stammte von Firmenchef Peter Wheeler und seinem Mitarbeiter Damien McTaggart. Die tiefhängende Front schien von Kugelhagel durchsiebt, und am Ende kaskadenartig angeordneter Grotten lieferten winzige Gasentladungslampen gleißendes Licht. Das Kunststoff-Top ließ sich einschließlich des Heckfensters in Kofferraum unterbringen. Auch im Cockpit des Speed Six manifestierte sich der Drang zu extravaganten, aber attraktiven Lösungen. So mahnten im Interesse des höchst vernehmlich arbeitenden Triebwerks Lämplein oberhalb des Lenkrads an, wann Gangwechsel fällig seien: grün bei 6000/min, gelb bei 6500/min, rot bei 7000/min. Da war man mit dem Speed in jedem Falle bereits höllisch schnell.
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