Anfang der achtziger Jahre war der Corvette in seiner real existierenden Form zur Antiquität verkümmert. Die Baureihe C3 hatte den Mythos vom amerikanischen Sportwagen seit 1968 hochgehalten. Das Chassis war im Prinzip gleichgeblieben seit 1963. Das Small-Block-Triebwerk datierte gar auf 1955 zurück. Dem "Vette"-Lenker sei die Leidenschaft abhanden gekommen, barmten die Jünger des Kultmodells, das Grinsen beim Anlassen und ersten Tritt aufs Gaspedal, die Suche nach Vorwänden, um noch rasch eine Runde um den Block drehen zu können.
Mit der Auffrischung der bröckelnden Legende beauftragte man Projektleiter Dave McLellan. Der Neue müsse sich in einem Quantensprung abheben vom Vorgänger, wie der Sting Ray von 1962 durch seine einzeln aufgehängten Hinterräder und der 68er Jahrgang durch sein sensationelles Äußeres.
McLellan, seit 1975 im Designteam, tat sein Bestes. Das war eine Menge, wovon man sich ab März 1983 überzeugen konnte und wie es sich mit einer Verbreitung von über 300 000 Exemplaren bis 1996 auch in klingender Münze auszahlen sollte. Die Karosserie wurde im Windkanal windschlüpfig geglättet und verlor dabei ihre wulstig-antikische Hai-Anmutung. Zum Verdruss der Versicherungen, die im Schadensfall schmerzhafter zur Kasse gebeten wurden, bestand die obere Hälfte des Vorderwagens aus einer riesigen Haube. Nach dem Öffnen gab sie nicht nur den Blick auf den vertrauten 5,7-Liter-V8 frei, im GM-Code L83 geheißen und ursprünglich ausschließlich mit dem gleichfalls sattsam bekannten Getriebeautomaten Turbo Hydro Matic 700 R4 im Bunde. Bald darauf war zudem die manuelle Schaltung 4 3 von Doug Nash verfügbar, so genannt, weil sich zu den oberen drei Fahrstufen ein Overdrive gesellte. Sie wurde 1989 durch ein Sechsganggetriebe von ZF ersetzt.