All show and no go", reimten erboste Anhänger, als der Corvette 1973 entmachtet wurde. Der Superlativ war aus der Mode gekommen, zurück blieb die recht manierliche Leistung. Dreierlei hatte das bewirkt: Die Bemessung nach Netto-PS brachte die astronomischen Werte der Vergangenheit auf den festen Boden des Irdischen zurück. Die amerikanischen Emissionsgesetze wirkten sich mäßigend auf die Verdichtung aus und rafften weitere Pferdestärken dahin. Und überdies setzte die Corvette jenseits der midlife crisis immer mehr Gewicht an.
Bis 1974 blieb den Power-Puristen wenigstens der Big-Block-Motor erhalten, wenn auch der Berg der 7387 cm³ lediglich das Mäuschen von 270 PS gebar, relativ gesprochen. Denn neben Serien-Luxus wie einem wohltönenden Stereoradio und elektrischen Fensterhebern fand zum Beispiel der Tester des Fachmagazins auto, motor und sport noch immer das gewaltige Drehmoment des Hubraumgiganten unter der langen Fronthaube vor. Kongenial ergänzt durch die Turbo-Hydra-Matic, halte dieser auf fast jede Verkehrssituation eine angemessene Antwort parat und erziehe zu gelassenem und defensivem Fahren.
Ein Genuss für das Ohr seien seine Äußerungen bei geöffneter Drosselklappe, eine imposante Komposition aus Ansaug- und Auspuffgeräuschen. Im übrigen rügte man das Konsumgebaren des Achtzylinders, der im Schnitt mit 25,2 Litern verpflegt sein wollte. Zwischen 1975 und 1980 ließ man es bei dem 5,7-l-Aggregat bewenden, dessen Leistung in der schwächeren Version L-48 von 165 PS kontinuierlich auf 195 PS wuchs, während der stärkere L-82 erst 205 und am Ende 230 PS bereitstellte. 1981 folgte der überarbeitete L-81 mit elektronischer Emissionskontrolle.
Aber auch die Eingriffe in die Silhouette der Corvette trugen dem Geist der neuen Zeit Rechnung. Ein Front-Anbau aus Urethan, der ab 1973 Rempeleien bei bis zu acht km/h knitterfrei einstecken sollte, wurde 1974 durch ein Pendant am Heck optisch ausbalanciert, wobei man aerodynamische Einbußen in Kauf nahm. Anstelle der senkrechten Rückscheibe trat 1978 ein schräg eingepasstes Panoramafenster, das sich der Sicht nach hinten und der Erwärmung des Innenraums gleichermaßen förderlich erwies. Im gleichen Jahr rief eine in zwei verschiedenen Silber-Schattierungen gehaltene Jubiläums-Ausgabe ins Gedächtnis zurück, dass der Corvette nunmehr ein Vierteljahrhundert auf Erfolgskurs steuere, ein Coupé natürlich, denn das Cabriolet war nach der tödlichen Dosis von 4629 Exemplaren im Modelljahr 1975 sanft entschlafen.
Eine Auflage von 2500 einer anderen Sonder-Nummer sollte 1978 nach dem Windhundverfahren an den Mann gebracht werden. Eine mächtige vordere Luftleitlippe, eine neuartige Innenausstattung und schalenförmige Sitze hoben sie aus der Menge hervor, und ein fakultativ erhältlicher Aufkleber verriet den Anlass: Official Pace Car, 62nd Annual Indianapolis 500 Mile Race, May 28, 1978. Es wurden 6200, denn so viele Chevrolet-Händler gibt es in den USA, und jeder forderte sein gutes Recht. Das neue Gesicht des Corvette 1980 verriet ebenso, dass man seine Hausaufgaben im Windkanal sorgfältig erledigt hatte, wie der nun integrierte Spoiler über den revidierten Rückleuchten. 250 Pfund hatte man abgespeckt, auch da, wo es niemand vermutete, nämlich an der querliegenden Blattfeder hinten, die ab 1981 aus Kunststoff bestand…