In dezentem Dunkelgrau-Metallic – mit schwarzem Dach – war die jüngste Kreation von Pinin Farina auf dem Stand des Ferrari-Agenten Cattaneo & Cie beim Pariser Autosalon im Oktober 1958 livriert, ein Stufenheck-Coupé, das der Ära der bei Boano und Ellena gefertigten 250 GT auch optisch ein Ende setzte. Gleichwohl bediente man sich deren Technik: des Elliptikrohrrahmens, vorn Einzelradaufhängung an Querlenkern mit Schraubenfedern, hinten Starrachse mit Halbelliptikfedern und Doppellängslenkern, ringsum doppeltwirkender Houdaille-Stoßdämpfer, wie des vollsynchronisierten Viergang-Getriebes System Porsche und des "Kurzblock"-Aggregats Gioacchino Colombos. Dessen zwölf Zündkerzen saßen noch immer an den Innenseiten des V, das die beiden im Winkel von 60 Grad zueinander stehenden Zylinderreihen bildeten, und ein versierter Mechaniker konnte sie in 45 Minuten wechseln.
Mit ungefähr 350 Exemplaren sollte das neue Modell in den nächsten Jahren alle bisherigen Produktionsziffern von Ferrari-Sportwagen in den Schatten stellen. Pininfarina – 1961 zog Battista Farina seinen Spitz- und seinen Zunamen mit ausdrücklicher Billigung des italienischen Staatspräsidenten zur neuen Firmenbezeichnung zusammen – war glänzend gerüstet dafür, denn seine unlängst in Betrieb genommenen Werkanlagen in Grugliasco hielten reichlich Kapazität bereit.
Verschiedene Prototypen, deren letzter der Presse am 25. Juni 1958 in Mailand vorgestellt wurde, unterschieden sich bemerkenswert wenig von der schließlich festgeschriebenen Form des Pininfarina-Coupés. Das Design wirkte eher unaufdringlich-gediegen und favorisierte eindeutig die Horizontale, wobei eine niedrigere Gürtellinie und höhere Fensterflächen gewiss längst überfällig gewesen waren. Die Konturen eines synchron gebauten Cabriolets verliefen fast identisch. Besonderes Augenmerk hatte man, des rauhen Naturburschentums früher GT-Generationen eingedenk, dem Wohlbefinden der Passagiere geschenkt. Das begann mit üppiger Knie- und Ellbogenfreiheit und reichlich Stauraum im langen Heck. Zur Grundausstattung gehörten Frischluftheizung und Scheibenwaschanlage ebenso wie Liegesitze, Nebellampen und asymmetrische Beleuchtung, während mit Extras wie elektrischen Fensterhebern bereits Konzessionen an einen verwöhnteren Geschmack gemacht wurden.
Zum einschneidenden Datum in der Modellgeschichte geriet das Jahr 1960. Scheibenbremsen von Dunlop ersetzten jetzt die bisher üblichen mächtigen Trommelbremsen von 350 mm Querschnitt, die sich erst bei einer gewissen Betriebswärme zu ihrer vollen Leistung entschlossen hatten. Ein elektrisch als Schnellgang zuschaltbarer Overdrive, gepaart mit der niedrigsten Hinterachsübersetzung, ermöglichte eine Endgeschwindigkeit von 260 km/h. Die Zündkerzen indessen waren nach außen gewandert, in ein Exil oberhalb der Auspuffkrümmer, was den Umgang mit ihnen nicht unbedingt erleichterte. Dennoch stellte eine offizielle Broschüre die Retuschen am Jahrgang 1960 gleichsam als einen Akt von Basis-Demokratie heraus. Die Erfahrungen der Kunden, hieß es da, hätten dazu beigetragen, Eleganz und Komfort zu sublimieren und die Sicherheit noch einmal einer Prüfung zu unterziehen…